Von geheimen Botschaften und sympathetischer Tinte

    Von geheimen Botschaften und sympathetischer TinteLange vor dem heutigen Kommunikationszeitalter, als es weder E-Mails noch Kryptographie oder Telegrafen gab, musste man seine Botschaften mit Tinte zu Papier bringen und seine Nachricht dem Empfänger per Boten oder Post zukommen lassen. Die vertraulichen Nachrichten von anderen zu lesen – das klingt nach NSA-Skandal und Hightech-Spionage. Doch schon weit früher, als Briefe noch mit der Hand geschrieben wurden, gab es Spione und notorisch Neugierige, die unbedingt wissen wollten, was ein Mensch dem anderen für eine Nachricht zukommen ließ. Um persönliche Botschaften sowie politisch oder wirtschaftlich relevante Informationen vor den neugierigen Blicken Dritter zu schützen, nutzte man Geheimtinten, die man auch sympathetische Tinten nannte.

    Unsichtbare Schriften mit einfachen und ungiftigen Mitteln herstellen

    Geheime Botschaften wurden und werden mit einer unsichtbaren Flüssigkeit geschrieben, die dann vom richtigen Empfänger entweder mit Wärme oder mit einer zweiten Flüssigkeit sichtbar gemacht werden können. Einfache „unsichtbare“ Tinten sind zum Beispiel Essig, Zitronensaft, Apfelsaft oder Buttermilch, die mit einem Federkiel oder einem Kolbenfederhalter aufs Papier gebracht werden. Da diese säurehaltigen Flüssigkeiten das Papier angreifen und schneller altern lassen, wird die unsichtbare Tinte durch Erwärmen des geheimen Schriftstücks wieder sichtbar. Am besten lassen sich Geheimtinten mit dem heißen Föhn oder mit dem Bügeleisen sichtbar machen. Vom Erhitzen über einer offenen Flamme sollte man Abstand nehmen, da das Papier leicht Feuer fängt und die geheime Nachricht dann für immer geheim bleibt.

    Sympathetische Tinte aus Salzlösungen

    Die zweite Möglichkeit ist die Herstellung einer unsichtbaren Tinte aus anorganischen Salzen, die in Wasser gelöst werden. Hier eignet sich zum Beispiel Kobaltchlorid, das eine blassrote Lösung ergibt, die auf dem Papier nicht zu sehen ist. Wird durch Erwärmen das Kristallwasser entfernt, so tritt die kräftige blaue Färbung des wasserfreien Salzes zu Tage. Enthält die Kobaltlösung zusätzlich Nickel oder Eisen, so zeigt sich die Schrift nach dem Erhitzen in Grün.

    Die Geheimtinten der Diplomaten

    Etwas professioneller waren die Geheimtinten für den diplomatischen Verkehr, vor der Erfindung des Telegrafen: Um eine solche Geheimtinte herzustellen, benötigt man zwei verschiedene Lösungen – eine zum Schreiben und eine zum Sichtbarmachen der Nachricht beim Empfänger. Eine Vielzahl von Flüssigkeiten kommen für diese Art der unsichtbaren Nachrichten in Betracht: zum Beispiel eine Lösung von Gerbsäure in Kombination mit einer Lösung von Eisenvitriol oder eine Lösung von Bleizucker in Kombination mit einer Lösung von Schwefelleber.

    Foto: thinkstock, iStock, ulkan

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