„Sand Babel“ – Wolkenkratzer aus Sand und Sonne

Yellow Ink am StrandEtwa zehn Prozent unserer Erdoberfläche bestehen aus Wüsten: Harte Lebensbedingungen, Hitze am Tag und klirrende Kälte in der Nacht bestimmen vor allem in den Sandwüstenzonen den Lebensrhythmus. Anzeichen für Leben entdeckt man hier erst auf den zweiten Blick, denn Wüsten wirken zumeist leer, leblos und trostlos: die knallende Sonne und endlose Sanddünen machen sie zu scheinbar lebensfeindlichen Orten. Doch genau diese beiden Komponenten können – in Verbindung mit einem 3D-Drucker – neuen Lebensraum erschaffen!

„Sand Babel“: Die Stadt aus Wüstensand

Bei der diesjährigen „eVolo 2014 Skyscraper Competition” stellten fünf chinesische Architekten ihr Projekt „Sand Babel“ vor. Sie wollen ein Netzwerk aus Wolkenkratzern erschaffen, die mit Sand und Sonnenenergie gebaut – beziehungsweise vielmehr gedruckt – werden. Ermöglicht werden soll die Vision durch die Erfindung des deutschen Produktdesigners Markus Kayser. Er erfand bereits vor einigen Jahren den „Solar Sinter“, mit dem sich aus Sand und Sonnenenergie Skulpturen, Gefäße und Gegenstände aus Glas drucken lassen.

Funktionsweise wie ein üblicher 3D-Drucker

Der „Solar Sinter“, der den Anstoß zur Idee von „Sand Babel“ gab, hat dieselbe Funktionsweise wie ein herkömmlicher 3D-Drucker: Eine Photovoltaik-Anlage wird von einem sogenannten „Sun Tracker“ ausgerichtet. Ein Fokus und eine Fresnel-Linse bündeln und verstärken die einfallenden Sonnenstrahlen, die hier die Funktion des Lasers übernehmen. Statt dem in der 3D-Technik häufig eingesetzten Granulat wird Wüstensand genutzt, der durch die starke Hitze schmilzt. Schließlich wird der flüssige Sand durch die Steuerung der Sonnenstrahlen zum gewünschten Objekt geformt.

Das Fabrikationssystem der Zukunft?

Vielleicht könnte aus Sand in Kombination mit einer Druck-Anlage und natürlicher Sonnenenergie das Fabrikationssystem unserer Zukunft entstehen. Es muss ja nicht gleich „Sand Babel“, die gedruckte Wüstenstadt aus Sand, sein. Vorstellbar wäre auch, dass mit „Solar Sinter“ oder ähnlichen Erfindungen große Produktionshallen im Nichts der Wüsten entstehen. Hier können Gegenstände oder Produkte aus Glas hergestellt werden – günstig und umweltschonend! Doch auch die Vision der aus Sand erbauten Wolkenkratzer ist nicht ganz abwegig: Aktuell arbeitet Produktdesigner Markus Kayser in den USA am renommierten Institut für Technologie Massachusetts (MIT) an speziellen Robotern, die selbstständig Häuser errichten können.

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