Die Terrakotta-Armee aus dem 3D-Drucker – Alte Krieger, neue Konflikte

TerrakottaarmeeDie Terrakotta-Armee von Xi’an in China zieht jährlich Tausende von Besuchern an und gehört seit vielen Jahren zum Weltkulturerbe. Nun macht sich ein Student aus Cambridge an das Skulpturen-Projekt „The Digital Terracotta Army“ – hiermit möchte er die menschlichen Kosten eines Kriegs visuell darstellen.

Die Terrakotta-Armee in China

Voller Stolz und mit ganz individuellen Gesichtszügen blicken die Krieger der Terrakotta-Armee auf ein imaginäres Schlachtfeld – jeder, der die Ausgrabungsstätte in Zentralchina bereits besucht hat, ist von ihr nachhaltig beeindruckt. 221 vor Christus gelang es Qín Shǐhuángdì, dem ersten Kaiser des chinesischen Reichs, China als Land zu einigen. Er war es auch, der sich die berühmte Terrakotta-Armee bauen ließ, damit sie ihm im Jenseits folgte. Nach seinem Tod ruhte die Armee über mehrere Jahrhunderte im Erdboden des Mausoleums Qín Shǐhuángdìs. Erst am 29. März 1974 stieß ein chinesischer Bauer bei Bohrarbeiten für einen Brunnen zufällig auf die einzelnen Tonstücke der Terrakotta-Armee. Nach genaueren Untersuchungen erkannten die hinzugerufenen Wissenschaftler, dass es sich hierbei um Fundstücke aus der Qin-Zeit handelte. Doch erst, nachdem Archäologen das Gebiet genauer untersuchten, erschloss sich der Umfang der Grabanlage des Kaisers mitsamt der Ton-Armee mit Tausenden Figuren unter dem Boden. Bis heute ist erst knapp ein Viertel der gesamten Anlage – mit rund 8.000 Kriegern, Pferden und Kriegswagen – komplett freigelegt; seit 1987 gehört die Terrakotta-Armee zum Weltkulturerbe.

The Digital Terracotta Army

Leo Implett, ein Student der Cambridge University in Großbritannien hat sich der Terrakotta-Armee nun im Rahmen eines interessanten Projekts genährt: Implett möchte Teile der ursprünglichen Krieger digitalisieren und mit einem 3D-Drucker neu zum Leben erwecken. Hierbei geht es ihm jedoch um mehr als nur um bloße Kunst. Der Student möchte durch seine Arbeit das Bewusstsein für die menschlichen Kosten eines Kriegs wecken – nach Impletts Empfinden sind sich viele Menschen in der westlichen und industrialisierten Welt nicht mehr über die realen Auswirkungen eines bewaffneten Konflikts bewusst; dies möchte er ändern. Am Beispiel des Israel-Palästina-Konflikts 2014 möchte er die erlittenen Opferzahlen darstellen: Jeder digitale Soldat steht hierbei für zehn Todesfälle. Es gibt 102 Soldaten in Schwarz, die für ein Zehntel der militärischen Todesfälle stehen, 164 rote Soldaten repräsentieren ein Zehntel der zivilen Verluste. 58 der Soldaten sind weiß und stellen ein Zehntel der durch den Konflikt gestorbenen Kinder dar.

Mangelnde Empathie

Auf der Internetseite Kickstarter versucht Leo Implett 5.000 US-Dollar einzusammeln, um sein Projekt realisieren zu können. Jeder Unterstützer hat durch seine Spende die Möglichkeit, mithilfe einer App ein Foto seines Gesichts aufzunehmen und zu versenden – ein Soldat der digitalen-Armee wird dieses Gesicht dann später tragen. Implett möchte damit die Empathie der Besucher ansprechen und Bewusstsein für Kriegsopfer wecken.

Foto: thinkstock, iStock, BigGabig

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