Unbegrenzt – Urlaub ohne Antrag

Unbegrenzt – Urlaub ohne AntragWir alle freuen uns auf unseren Urlaub – Sonne, Strand, Erholung, Abschalten. Eine perfekte Zeit: nichts tun und trotzdem vom Chef das Gehalt überwiesen bekommen. Was wäre, wenn wir so viel Urlaub hätten, wie wir wollen? Wenn wir frei machen könnten, ohne einen Urlaubsantrag zu stellen? Fiktion? Keineswegs: Fast drei Prozent der Unternehmen in den USA haben solche großzügigen Urlaubsregelungen. Doch wie wirkt sich eine solche Regelung auf das Urlaubsverhalten aus?

Mitarbeiter entscheiden selbst, wieviel Urlaub sie nehmen

In Amerika gibt es keinen gesetzlich geregelten Urlaubsanspruch wie bei uns in Deutschland. Etwa 25 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer haben gar keinen Urlaubsanspruch, einige Angestellte haben zwei Wochen, andere sogar vier. Selbstverständlich macht Urlaub, zumal wenn er unbegrenzt ist, ein Unternehmen attraktiv und hilft, Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.
Unternehmen wie Evernote, Netflix und das Plattenlabel Virgin haben eine solche Urlaubsregelung für ihre Mitarbeiter eingeführt. Das Resultat überrascht: Bei den meisten Firmen ist die Zahl der Urlaubstage etwa genauso hoch wie vor Einführung des Urlaubs nach Gusto. Nachdem in vielen Firmen das „Nine to five“-Konzept abgeschafft wurde, scheint nun auch eine starre Urlaubsregelung überflüssig. Hauptsache ist, dass die Arbeit erledigt wird – wann und von wo ist den Chefs egal, wenn das Ergebnis stimmt.

Hilft unbegrenzter Urlaub eher den Arbeitgebern?

Die grenzenlose Freiheit hat aber auch einen Pferdefuß: Die anstehende Arbeit muss erledigt werden, und alle Projekte sollen im Zeitplan liegen. Wer mag noch in den Urlaub fahren, wenn er weiß, dass die Teamkollegen Überstunden schieben? Das führt dazu, dass Mitarbeiter um ihre Karriere fürchten und Angst haben, als Faulenzer zu gelten, wenn sie zu viel Urlaub nehmen. Das kann so weit gehen, dass die Mitarbeiter gar keinen Urlaub mehr nehmen. Der Cloud-Dienst Evernote mit Sitz im Silicon Valley zahlt seinen Mitarbeitern sogar 1.000 Dollar, wenn sie wenigstens eine Woche Urlaub im Jahr nehmen, nachdem einige Mitarbeiter schon seit Jahren nicht mehr verreist sind.

Wie glücklich macht Urlaub wirklich?

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen im Urlaub gar nicht glücklicher sind als bei der Arbeit. Schon das Packen bereitet vielen Menschen Stress, dann in einen vollgestopften Flieger, im Hotel gibt es ein ungewohntes Bett, das fremde Essen schlägt auf den Magen, Mücken nerven, und die Kinder quengeln unentwegt. Besonders die Vorfreude auf den nahenden Urlaub und die Planung der Reise verursachen ein Hochgefühl. Im Urlaub angekommen, geht es den meisten Menschen dann gar nicht viel besser als in der Freizeit zu Hause. Ganz anders verhält es sich bei der Arbeit: Bereits Sigmund Freud erkannte, dass die Arbeit eine wichtige Stütze für die psychische Gesundheit ist. Zudem gibt der Job Bestätigung und fordert uns. Genau das, so fanden Psychologen heraus, macht uns kreativer, aktiver und zufriedener. Dieser Zustand, der auch als „Flow“ bezeichnet wird, stellt sich während der Arbeit viel häufiger ein als in der Freizeit. Wird Urlaub vielleicht überbewertet?

Foto: Thinkstock, iStock, Osuleo

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